Lungenembolien gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie zählen nach Herzinfarkt und Schlaganfall zu den dritthäufigsten kardiovaskulären Todesursachen in Deutschland. Ursache ist meist ein Blutgerinnsel aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen, das über den Blutkreislauf in die Lungenarterien gelangt und dort lebenswichtige Gefäße verschließt.
Um die Versorgung dieser Patienten weiter zu verbessern, hat das Augusta-Krankenhaus ein sogenanntes PERT (Pulmonary Embolism Response Team) gegründet. Das spezialisierte Notfallteam bündelt die Expertise verschiedener Fachdisziplinen und ermöglicht eine schnelle, individuelle Therapieentscheidung. Zum Team gehören Notfallmediziner, Kardiologen, Gefäßchirurgen, Radiologen, Pulmologen sowie bei Bedarf weitere Spezialisten.
„Die akute Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall, bei dem häufig jede Minute zählt. Mit unserem PERT können wir die notwendige Expertise unmittelbar zusammenbringen und für jeden Patienten die optimale Behandlungsstrategie festlegen“, erklärt Prof. Dr. Rolf Michael Klein, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Rhythmologie und konservative Intensivmedizin.
Die besondere Stärke des Augusta-Krankenhauses liegt dabei in der engen Verzahnung der beteiligten Fachbereiche. Die Klinik für Kardiologie verfügt über moderne Herzkatheterlabore, in denen interventionelle Verfahren rund um die Uhr durchgeführt werden können. Ergänzt wird dies durch die Radiologie mit rascher Verfügbarkeit von CT-Angiographie und MR-Phlebographie. Die Kooperation mit der Gefäßchirurgie unter Leitung von Dr. Nikolaos Floros gewährleistet außerdem die optimale Behandlung sowohl von Lungenembolien als auch von peripheren und zentralen Venenthrombosen.
So funktioniert die Thrombusaspiration im Herzkatheterlabor
Die kathetergestützte Thrombusaspiration stellt eine wichtige Ergänzung der bisherigen Therapieverfahren dar. Während bei vielen Patienten eine medikamentöse Blutverdünnung ausreichend ist, benötigen schwerer betroffene Patienten häufig eine weitergehende Behandlung. Sie erfolgt im Augusta-Krankenhaus nun minimalinvasiv im Herzkatheterlabor und ermöglicht eine schnelle Behandlung schwerer Lungenembolien ohne offene Operation. Über eine Vene in der Leiste oder seltener am Hals führen die Kardiologen einen speziellen Katheter unter Röntgenkontrolle bis in die verschlossenen Lungenarterien vor. Dort wird das Blutgerinnsel mithilfe eines Aspirationssystems gezielt abgesaugt und aus dem Körper entfernt.
Während des Eingriffs werden Herzfunktion, Blutdruck und Sauerstoffversorgung kontinuierlich überwacht. Ziel ist es, die verstopften Gefäße möglichst rasch wieder zu eröffnen, den Blutfluss durch die Lunge zu verbessern und die akute Belastung der rechten Herzkammer zu reduzieren. Viele Patienten zeigen bereits unmittelbar nach dem Eingriff eine Verbesserung der Kreislaufsituation und der Sauerstoffversorgung. „Bei einer schweren Lungenembolie muss das rechte Herz plötzlich gegen einen massiv erhöhten Widerstand anpumpen. Durch die Entfernung des Thrombus können wir diesen Druck häufig innerhalb kurzer Zeit deutlich senken und so das Herz entlasten“, erläutert Oberarzt Hanno Peters, der das Verfahren am Augusta-Krankenhaus aufgebaut hat.
Insbesondere Patienten mit sogenannten intermediär-hohen oder hohen Risikokonstellationen können von dem Verfahren profitieren. Dies gilt beispielsweise für Betroffene, bei denen bereits Anzeichen einer Überlastung des rechten Herzens vorliegen oder deren Kreislauf sich trotz medikamentöser Behandlung verschlechtert. „Auch für Patienten mit einer Kontraindikation gegen eine systemische Lysetherapie – etwa nach größeren Operationen, bei aktiven Tumorerkrankungen oder erhöhtem Blutungsrisiko – stellt die mechanische Thrombusentfernung eine wichtige therapeutische Alternative dar. Damit erweitern wir unser therapeutisches Spektrum gerade für besonders vulnerable Patientengruppen erheblich“, sagt Prof. Dr. Rolf Michael Klein.
Auch die langfristige Betreuung der Patienten ist am Augusta-Krankenhaus sichergestellt. Mit einer spezialisierten Pulmonalen Hypertonie Ambulanz verfügt das Haus über eine wichtige Struktur zur Nachsorge nach Lungenembolien. Denn eine chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) oder die Vorstufe einer chronisch thromboembolischen pulmonalen Gefäßerkrankung (CTEPD) zählen zu den möglichen Langzeitfolgen einer Lungenembolie und erfordern eine spezialisierte Diagnostik und Betreuung.
Die Klinik für Kardiologie, Rhythmologie und konservative Intensivmedizin des Augusta-Krankenhauses zählt zu den leistungsstarken kardiologischen Zentren im Düsseldorfer Norden. Jährlich werden dort rund 4.000 Herzkatheteruntersuchungen, etwa 1.500 Katheterinterventionen sowie rund 600 Schrittmacher- und Defibrillatorimplantationen durchgeführt. Die Versorgung kardiovaskulärer Notfälle steht rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche zur Verfügung. Die Thrombusaspiration bei akuter Lungenarterienembolie ergänzt nun das bestehende interventionelle Spektrum der Klinik um eine weitere hochspezialisierte Behandlungsmöglichkeit.





































